„Die Demokratie beginnt mit dem Respekt vor der Meinung des anderen.“
– Franklin D. Roosevelt
Demokratie ist weit mehr als ein politisches System – sie ist eine Haltung, die von Res-pekt, Mitbestimmung und Verantwortung geprägt ist. Damit Kinder diese Werte verin-nerlichen können, ist es besonders wichtig, ihnen bereits im frühen Alter Erfahrungen der Beteiligung und Mitgestaltung zu ermöglichen. Schon im Alltag lernen Kinder, dass ihre Stimme zählt, sie Entscheidungen beeinflussen können und Verantwortung für ihr gemeinsames Miteinander übernehmen dürfen.
Kinder wollen gehört werden, eigene Ideen einbringen und ihre Umwelt aktiv mitge-stalten. Wenn sie früh erleben, dass ihre Meinung zählt und sie Einfluss nehmen können, stärkt das ihr Selbstbewusstsein, ihre soziale Kompetenz und ihr Verantwortungsgefühl. Sie lernen, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen, Kompromisse einzugehen und Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren.
Eine wichtige Grundlage dafür bildet die UN-Kinderrechtskonvention. Sie betont aus-drücklich das Recht von Kindern auf Beteiligung und Mitbestimmung. Dieses Recht ernst zu nehmen und im pädagogischen Alltag umzusetzen, ist ein wesentlicher Bestand-teil von Demokratiebildung.
Mit Beginn des neuen Schuljahres haben wir im Hort gemeinsam den Weltkindertag gefeiert. An unserem Aktionstag wurden verschiedene Kinderrechte altersgerecht auf-gegriffen und kreativ umgesetzt. So entstand in diesem Jahr unter anderem ein Kinder-rechteturm, bei dem jedes Element symbolisch für ein wichtiges Recht stand. Für die Kinder wurde so sichtbar: Rechte bilden das Fundament für ein starkes und respektvol-les Miteinander.
Einmal wöchentlich finden in allen Gruppen Hortkonferenzen statt. Hier besprechen die Kinder wichtige Themen aus ihrem Alltag und bringen eigene Ideen ein. Wünsche werden gesammelt, diskutiert und – wenn möglich – direkt in die Wochenplanung auf-genommen. Dabei geht es um Fragen wie:
- Wann soll der nächste Spielzeugtag stattfinden?
- Welche Aktionen wünschen wir uns für die nächsten Wochen oder das Ferien-programm?
- Sollen gebaute Werke über mehrere Tage stehen bleiben?
- Welche Gruppenregeln sind uns wichtig?
Zusätzlich können die Kinder ihre Anliegen über unsere „Sag mir was“-Box äußern. Hier finden Ideen für das Ferienprogramm ebenso Platz wie Wünsche zur Raumgestal-tung oder zur Zimmereinteilung bei der Hortfreizeit. So hat jedes Kind – auch außerhalb der Gesprächsrunde – die Möglichkeit, seine Meinung einzubringen. Auch im täglichen Hortleben kommt es immer wieder zu Abstimmungen. So entscheiden die Kinder bei-spielsweise mit, welche Faschingsaktionen stattfinden oder welche besonderen Ange-bote geplant werden.
Ein besonderes Beispiel für gelebte Demokratie ist die bevorstehende Projektwoche in der zweiten Osterferienwoche. Die Gruppe der Füchse hat das Thema ihrer Projektwo-che selbst bestimmt. In einem gemeinsamen Brainstorming wurden zunächst zahlreiche Ideen gesammelt. Anschließend fand eine anonyme Abstimmung statt, bei der jedes Kind seine Stimme abgeben konnte. Da das Ergebnis sehr knapp war, kam es sogar zu einer Stichwahl zwischen den Themen Fußball und Länder. Nach einer spannenden Entscheidungsrunde stand fest: Die Mehrheit entschied sich für das Thema „Reise um die Welt“. Nun freuen sich die alle darauf, verschiedene Länder kennenzulernen, kultu-relle Besonderheiten zu entdecken und kreativ zu werden. Gleichzeitig erleben sie ganz unmittelbar, wie demokratische Prozesse funktionieren: Ideen entwickeln, abstimmen, Mehrheitsentscheidungen akzeptieren und gemeinsam Verantwortung für das gewählte Projekt übernehmen. Durch diese vielfältigen Beteiligungsformen erfahren die Kinder:
Meine Stimme zählt. Ich kann etwas bewirken. Ich bin Teil einer Gemeinschaft.