Die Kita in Zeiten von Corona

Als sich zu Beginn des Jahres 2020 das Corona-Virus in China breit machte, schien das, bei aller Tragik, weit entfernt. Wir hier in Europa lebten unser Leben in gewohnter Manier weiter und überhörten die warnenden Stimmen, die Recht behielten, denn schon bald war das Virus in Europa und schließlich auch in Deutschland und Bayern angekommen.  Als dann am 13.03.2020 die bayerische Staatsregierung alle Schulen und Kitas von Amts wegen schloss, war die Betroffenheit bei Eltern, Leitung und Team groß und es musste rasch gehandelt und organisiert werden. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen!

Sie als Eltern standen vor der Herausforderung, quasi über Nacht eine Kinderbetreuung abseits der Kita und der Großeltern auf die Beine zu stellen, was für alle Berufstätigen bedeutete, mit dem Chef  über eine mögliche Beschäftigung im Homeoffice zu verhandeln und sich gut mit dem Partner abzustimmen, um die Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Nur wenige Eltern in systemrelevanten Berufen hatten die Möglichkeit, ihre Kinder weiterhin in der gewohnten Kita betreuen zu lassen. Alle anderen waren gezwungen, sich über einen längeren Zeitraum mit ihren Kindern, die weder die öffentlichen Spielplätze aufsuchen, gewohnten Freizeitaktivitäten wie Fußballtraining oder Ballett nachgehen, noch sich mit mehreren Freunden treffen durften, zu Hause aufzuhalten. Wir hoffen, dass Sie alle bisher diese Zeit gut im Sinne der Familie nutzen und bewältigen konnten.

 

Für die Kinder war es ebenfalls eine sehr ungewohnte Situation und die wenigen Kinder, die unsere Kita noch besuchen durften, hatten es mit wechselndem pädagogischen Personal, neuen Spielpartnern in wesentlich geringerer Anzahl und oft ungewohnten Gruppenräumen zu tun. Gerade in der ersten Zeit gab es Probleme

und Tränen deswegen und auch aus Angst und Sorge, weil die Kinder spürten, dass die Lage um sie herum eine besondere ist.

Auch wir als pädagogisches Personal standen vor einer nie da gewesenen Problematik! Wir waren damit konfrontiert, unserer Kernaufgabe, nämlich der Bildung, Erziehung und Betreuung unserer Kinder der Kita nicht nachgehen zu können. Stattdessen musste sich jede/r von uns zu Hause einen Arbeitsplatz einrichten, von dem aus wir in Heimarbeit tätig waren. Ja natürlich, an ein bis zwei Tagen pro Woche waren wir selbstverständlich zum Dienst in der Notbetreuung bzw. zum Generaldesinfektionsputz in der Einrichtung eingeteilt, aber sonst? Was macht man nun als pädagogisches Personal im Homeoffice?

Nun, ich werde im weiteren Verlauf noch näher darauf eingehen, möchte aber zunächst anmerken, dass sich auch unsere Leitung, Frau Hafner, deren tägliches Brot es ist, in Vollzeit im Büro ihren Aufgaben nachzugehen, zunächst vor der Hürde sah, nun mehr als vierzig Personen mit Aufgaben für das Homeoffice zu versehen. Außerdem wurde sie in dieser Krisensituation im Minutentakt mit Anrufen, Emails, Newslettern usw. bombardiert und es gelang ihr, dabei kühlen Kopf zu bewahren und strategisch zu agieren. Sie versorgte uns regelmäßig mit Emails, denen wir den aktuellen Stand entnehmen konnten und wir wurden sozusagen digital instruiert.

Eine unserer Kernkompetenzen, nämlich Flexibilität, war nun in besonderem Maße erforderlich! Wir vom pädagogischen Personal vernetzten uns zum optimalen Austausch zunächst einmal innerhalb der jeweiligen Gruppenteams, um in einem täglichen Update abzuklären, wer welche Aufgaben erledigt hat und was Stand der Dinge ist. Jedes Gruppenteam traf sich zusätzlich einmal pro Woche für mindestens zwei Stunden zur Gruppenteambesprechung. Die Gruppenleitungen wiederum trafen wöchentlich mit Frau Hafner zusammen und blieben so stets am Puls der Zeit.

Jede/r einzelne von uns absolvierte im Homeoffice zahlreiche Tätigkeiten, von denen nur einige hier genannt werden, um den Rahmen nicht zu sprengen:

– Beobachtungsbögen bearbeiten

– Bildungs- und Lerngeschichten aufarbeiten

– Förderpläne schreiben

– Online-Schulung zum Thema Datenschutz mit abschließender Prüfung

– Gefährdungsbeurteilungen für verschiedenste Situationen erstellen

– Entwicklungsgespräche vorbereiten

– Fortbildungen vertiefen und Handouts entwickeln zur Multiplikation im Team

– Arbeit der verschiedenen Arbeitsgemeinschaften fortsetzen

– Fachliteraturstudium

– Projekte vorbereiten (Mondkindprojekte etc.)

– Post an Kinder versenden

– usw.

Zu Beginn war es zugegebener Maßen sehr ungewohnt, von zu Hause aus zu arbeiten, doch fand man sich mit etwas Disziplin schnell ein und kam zu erstaunlichen Ergebnissen, konnte man doch ungestört, fernab vom Trubel der Kita, konzentriert und ohne tagesstrukturelle Einflüsse zielgerichtet agieren. Die sonst so knapp bemessene Verfügungszeit, die uns für organisatorische Aufgaben gewährt ist, ist nun ausreichend vorhanden.

Aber vor allem darf nicht verschwiegen werden, dass uns, wie Ihnen, der Alltag fehlt, die Kinder, das unbeschwerte Spiel, der persönliche Kontakt (auch mit Ihnen als Eltern), all das, weswegen wir unseren Beruf ergriffen haben.

Wir alle, Sie als Eltern, wir als pädagogisches Personal, nutzten dennoch diese äußerst fremde Situation, um uns den positiven Blick zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass sich die aktuelle Gesamtlage zum Besseren ändern wird und wir tun das, was wir aus eigener Kraft leisten können und legen manches ins Gottvertrauen, was wir längst aus den Augen verloren hatten. Jeder hat sich in dieser schwierigen Zeit mehr als einmal gefragt, ob sie nicht auch die Chance zum Umdenken beinhaltet. Viel zu selbstverständlich leben wir alle aus dem Vollen und müssen nun schmerzlich erfahren, wie schnell unser modernes, globalisiertes Leben lahm gelegt werden kann und wie ohnmächtig wir dem gegenüber stehen.

Für uns alle ist in dieser Zeit das oberste Gebot, gut für sich und seine Nächsten zu sorgen, die Alten und Kranken besonders zu schützen, im Moment zu bleiben und unsere Sonderstellung, als Mensch lernfähig zu sein, zu nutzen. Möge uns diese Lernfähigkeit vor einem weiteren Katastrophenfall bewahren und mögen wir den aktuellen Katastrophenfall als Chance für unser weiteres Leben begreifen.