Elternbeirat Thema Inklusion

Liebe Eltern,

im Elternexpress Januar-Februar 2024 fasste Frau Hafner im „Vorwort der Leitung“ sehr anschaulich zusammen, was Inklusive Pädagogik heißt. Außerdem beschrieb sie, dass dahinter eine persönliche Haltung steht, ohne die eine Umsetzung des pädagogischen Ansatzes nicht möglich ist.

 

Inklusion ist fester Bestandteil der pädagogischen Konzeption der Kita St. Oswald. Für die Umsetzung dieses pädagogischen Ansatzes sind neben der entsprechenden persönlichen Einstellung aller Mitwirkenden auch spezielle personelle (z.B. Zusatzausbildungen), strukturelle (z.B. Zusammenarbeit mit Therapieeinrichtungen) und praktische (z.B. Hilfsgeräte) Vorkehrungen notwendig.

Ich vermute, dass sich die meisten von uns Eltern eine Gesellschaft wünschen, in der Inklusion gelingt. Neben der Familie ist die Kita der Ort, an dem Sozialisierung im Kindesalter natürlicherweise hauptsächlich stattfindet.

Im Artikel von Frau Hafner wird erwähnt, dass es bei manchen Eltern Vorbehalte gegenüber dem Konzept der Inklusion gibt. Im Hintergrund scheint die Sorge zu stehen, dass die pädagogische Arbeit mit dem Ziel der Inklusion dem eigenen – sog. „gesunden“ – Kind schaden könnte! Als Beispiel wird genannt, dass verhaltensauffällige und/oder anderweitig bedürftige Kinder als unzumutbar und als eine zu große Herausforderung für die anderen Kinder gesehen werden. Eltern vermuten hier, dass es für das eigene Kind von Vorteil wäre, die Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf nicht in der Gruppe zu haben. Ich denke, es liegt in der Natur der Sache, dass Eltern jeweils das Wohl der eigenen Kinder am allerwichtigsten ist. Die Frage ist jedoch: Wäre der Ausschluss „schwieriger Kinder“ wirklich zum Wohl der sog. „normalen“ Kinder?

Ich konnte oft das Gegenteil beobachten. Sog. „gesunde“ Kinder, die in Inklusionsgruppen „aufgewachsen“ sind, zeichnen sich häufig durch Fähigkeiten aus, die Erwachsene zum Staunen bringen. Für sie ist es normal, dass alle verschieden sind. Beobachtungen werten sie meist nicht. „Hast Du den Mann in der Tram gesehen, dem hat ein Bein gefehlt.“ Im Gegenteil, sie machen sich eher Gedanken, wie ein eventuelles Defizit für den anderen wohl ist. „Der braucht immer seinen Rollstuhl. Wie kommt der jetzt aus der Tram wieder raus?“. Sie haben oft deutlich weniger Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung und begegnen ihnen mit großer Offenheit. „Sie kann nicht gut sprechen, aber man kann ganz toll mit ihr spielen.“ Nicht selten entwickeln sie auch eine spezielle Hilfsbereitschaft und Sensibilität. „Er kann das noch nicht so gut wie die anderen, also bringe ich ihn zum Lachen, dann freut er sich.“ Für diese Kinder ist Zuneigung völlig unabhängig davon, ob ein anderes Kind „normal“ ist oder nicht. „Ich mag ihn, er ist so lieb.“ Zudem ist zu beobachten, dass sie auch mit den eigenen Stärken und Schwächen wohlwollend umgehen.

Erfahrungen mit beispielsweise aggressiven Kindern führen in einem von Inklusiver Pädagogik geprägten Umfeld eher dazu, dass die Kinder lernen, damit selbstbewusst und konstruktiv umzugehen, anstatt sich ebenfalls aggressiv zu verhalten – im Interesse der Gruppe, aber eben und gerade auch im eigenen Interesse!

Wo sonst kann ein Kind die zentralen Inhalte von Inklusion spielerischer und einfacher erlernen als in einer Kita, die diesen pädagogischen Ansatz bewusst und gezielt umsetzt? So ein Kind muss sich später nicht mehr rational und eventuell mühevoll aneignen, was Inklusion ist und wie man sich eventuell verhalten könnte oder sollte: Es lebt sie einfach.

Das Meiste lernen die Kinder durch den Alltag in so einer Inklusionsgruppe, durch die konkrete tägliche Erfahrung und maßgeblich durch die Haltung und das Vorbild der darauf spezialisierten ErzieherInnen. Natürlich werden die Kinder auch mit schwierigen Situationen konfrontiert. Genau hier lernen sie jedoch nochmal besonders intensiv, voneinander und in Begleitung ihrer erzieherischen Bezugspersonen. Genau hier liegt die Chance, Inklusion wirklich zu verinnerlichen. Die Kita „liefert“ uns Eltern hier eine erzieherische Unterstützung, die bei weitem nicht selbstverständlich ist und die wir als Eltern alleine nicht leisten könnten, da der meiste Umgang mit Gleichaltrigen in einer Gruppe üblicherweise in der Kita und nicht zu Hause stattfindet. Diese Unterstützung gelingt umso besser, je mehr wir selbst das JA zur Inklusion verinnerlicht haben. Lassen wir uns als Eltern auf diese Chance für die Kinder ein und lassen wir uns von ihnen überraschen!

Herzliche Grüße,

Ruth Campanelli

– im Auftrag des Elternbeirats –