„Fröhlich, fröhlich, heute bin ich fröhlich…“ –
Seit Herbst nehmen zwei Erzieherinnen aus der Krippe und drei Erzieherinnen aus dem Kindergarten an der Weiterbildung „Papilio“ teil, um das Programm in unserer Kita nachhaltig umzusetzen. Dabei handelt es sich um ein wissenschaftlich fundiertes Präventionsprogramm, das durch gezielte Methoden sozial-emotionale Kompetenzen fördert, Verhaltensauffälligkeiten entgegenwirkt und die psychische Gesundheit stärkt.
Die Kernkomponenten im Kindergarten stellen der „Spielzeug-macht-Ferien-Tag“, „Paula und die Kistenkobolde“ sowie das „Meins-deins-deins-unser Spiel“ dar. Am „Spielzeug-macht-Ferien-Tag“ spielen die Kinder ohne herkömmliches Spielzeug. Anhand einer Geschichte wird ihnen erklärt, warum auch das Spielzeug mal Ferien braucht. Anschließend gibt es einen Tag in der Woche, an dem das Spielzeug in den Schränken bleibt.
Bei „Paula und die Kistenkobolde“ ist die Grundlage die faszinierende Geschichte rund um die vier Gefühlskobolde „Heulibold“, „Zornibold“, „Bibberbold“ und „Freudibold“, die nicht so recht wissen, was mit ihnen los ist. Mit Hilfe von Paula lernen die Kistenkobolde ihre Gefühle kennen – das ist auch das Ziel der Maßnahme in der Kita. Die Kinder lernen den Umgang mit den eigenen Gefühlen und denen anderer – eine der wichtigsten Aufgaben der Persönlichkeitsentwicklung.
Das „Meins-deins-deins-unser-Spiel“ dient dem kindgerechten Aufbau gruppenförderlichen und prosozialen Verhaltens. Soziale Regeln prägen unseren Alltag. Kinder lernen die Berücksichtigung dieser Regeln wie jede andere Fertigkeit. Statt Verbote auszusprechen, wenn unerwünschte Situationen bereits entstanden sind, schafft das Meins-deins-unser-Spiel einen entspannten und spielerischen Rahmen, um soziale Regeln zu lernen. Es macht den Lernprozess für Kinder attraktiv und verständlich. Gelenkte Gespräche regen die Kinder dazu an, selbst Regeln für die Gruppe zu formulieren, sie zu erklären und zu begründen. Im Spiel üben die Kinder die Regeln, was ihnen dabei hilft, dieses Verhalten auch in anderen Situationen tatsächlich anzuwenden.
Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen
Der Grundgedanke der Papilio U3-Fortbildung besteht darin, „ein sicherer Hafen für die Kinder zu sein und einer der ersten nahen und wichtigen Bezugspersonen außerhalb der Familie zu werden“. Dabei ist die Bindung zu den Kindern von zentraler Bedeutung. Im Rahmen der Fortbildung werden verschiedene praxisnahe Methoden erarbeitet. Eine davon ist „Bindung Tag für Tag“, bei der das eigene Bindungsverhalten gegenüber den Kindern schriftlich festgehalten und reflektiert wird. Leitfragen sind beispielsweise: „Was hat das Kind gemacht?“, „Was dachte ich, was das Kind von mir braucht?“ und „Wie habe ich darauf reagiert?“. Diese strukturierte Reflexion unterstützt das pädagogische Personal dabei, das eigene Handeln bewusster wahrzunehmen und die Beziehung zu den Kindern gezielt zu stärken.
Darüber hinaus werden Kriterien wie Stressreduktion, Assistenz, Zuwendung, Sicherheit und Explorationsunterstützung dokumentiert und im Team reflektiert, um sichere Bindungserfahrungen zu fördern. Diese Erfahrungen gelten gerade für Krippenkinder als wichtige Schutzfaktoren für die weitere Entwicklung, da sie unter anderem das Risiko für spätere Verhaltensprobleme verringern. Ein weiterer Schwerpunkt der U3 Fortbildung liegt auf der Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen. Gerade bei Kindern unter drei Jahren finden grundlegende Entwicklungsschritte statt, die die Basis für weiteres Lernen bilden. Dazu gehört, dass Kinder passende mimische Ausdrücke für die Basisemotionen wie Freude, Traurigkeit, Angst und Ärger zeigen, ihr eigenes Spiegelbild erkennen, körperliche Nähe zu Bezugspersonen suchen oder zunehmend Strategien zur Selbstberuhigung entwickeln. Daher sind die „Kobolde“ fester Bestandteil des Krippenalltags, denn die Kinder können sich mit den Bildkarten des „Zornibolds“, „Freudibolds“, „Bibberbolds“ und „Heulibolds“ identifizieren und so Platz für ihre Gefühle finden und feststellen, welcher Kobold ihrem eigenen Befinden entspricht. Auch in Form von Liedern verarbeiten die Kinder ihre Gefühle, z.B. „Wenn du fröhlich bist, dann klatsche in die Hand“ oder „traurig, traurig, heute bin ich traurig“. Dadurch lernen sie, eigene Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken sowie die Emotionen anderer Kinder zu erkennen und einzuordnen.
Zusammenfassend bietet Papilio ein praxisnahes Konzept, das pädagogische Fachkräfte dabei unterstützt, Kinder ganzheitlich in ihrer Entwicklung zu begleiten.