Teamfortbildung Krippe: „Kleine Hände entdecken ihre Welt“

Auf der Fortbildung für das gesamte Krippenteam zum Thema „Kleine Hände entdecken ihre Welt“, haben wir uns am 17. und 18.11.2017 mit unserer Referentin, Frau Karin Fuhry, mit den Entwicklungsstufen des Spiels bis zum 3. Lebensjahr befasst. Wir beschäftigten uns außerdem mit der Frage, wie wir im Krippenalltag die Spielentwicklung der Kinder wirkungsvoll begleiten können und den kleinen Forschern und Entdeckern eine spielanregende Umgebung gestalten und sinnvolles Spielmaterial für die unterschiedlichen Entwicklungsstufen anbieten können.

Die Referentin betonte eingangs:

Damit ein Kind seine Umgebung interessiert erkundet, braucht es eine sichere Bindung. Wenn sich das Kind angenommen, mit seinen Bedürfnissen verstanden und geborgen fühlt, entwickelt es Vertrauen in sich und zu den Menschen in seiner Umgebung. (Karin Fuhry)

 

      Für das Spiel braucht das Kind keinen Lehrer, keine Unterweisung (Largo)

Die Entwicklung der Spielfähigkeit entwickelt sich bereits im Säuglingsalter. Mit zunehmendem Lebensalter wird das Spiel dann immer vielfältiger und man kann zwischen den verschiedenen Spielformen unterscheiden. Spielentwicklung ist immer auch geistige Entwicklung. Folgende Spielformen beobachten wir in der Krippe:

1. Spiel mit Erkundungscharakter (Funktionsspiel)                                                                   

Die Spielentwicklung ist eng mit der Bewegungsentwicklung verknüpft, da sich durch die  zunehmenden Bewegungsmöglichkeiten der Erkundungsradius  erweitert. Das Kind kommt vom Greifen zum Begreifen. Es erkundet seine Umgebung mit den Händen, dem Mund und den Augen. Es macht dabei vielfältige sensomotorische Erfahrungen. Es erforscht  physikalische Gegebenheiten wie Temperatur, Oberflächenbeschaffenheit, Größe und Form. Es erkennt Gegenstände und unterscheidet sie.

2. Spiel mit Objektpermanenz

Ab dem 9. Lebensmonat entwickelt das Kind die sogenannte Objektpermanenz, d.h. es weiß, dass der Ball, obwohl er aus seinem Gesichtsfeld gerollt ist, trotzdem da ist. Besonders beliebt ist das sogenannte „Kuck-kuck-Spiel …“

3. Spiel als Mittel zum Zweck

Mit etwa 10 Monaten kommt das Kind darauf, ein Spielzeug an der Schnur zu sich heranzuziehen. Es setzt ein Mittel ein, um etwas zu erreichen. Etwas später entdeckt das Kind den Lichtschalter  und freut sich über die Fähigkeit, das Licht an und auszuschalten.  Es erkennt Ursache und Wirkung.

4. Spielverhalten mit räumlichen Charakteristiken

Im „Inhalte-Behälter-Spiel“ zeigen sich erste räumliche Vorstellungen. Dinge ein- und ausräumen, wie beispielsweise Behälter, Dosen, Flaschen, Schubladen und Schränke. Beim „Bauklötzen- Spiel“ zeigt das Kind eine gewisse räumliche Vorstellung. Es legt Bausteine aufeinander, um sie wieder umzuwerfen. Mit etwa 18 Monaten ist das Interesse groß, alle Dinge aufeinander zu stapeln und auch wieder umzuwerfen. Das Kind macht den Turm nicht „kaputt“, sondern lässt ihn einstürzen.

Um das zweite Lebensjahr herum wird der Turmbau vom Zug bauen abgelöst. Das Kind reiht Klötze nun horizontal aneinander (Eisenbahn spielen, Zäune bauen). Etwa im Alter von   2 ½ Jahren beginnt das Kind die vertikale und horizontale Raumdimension miteinander zu verbinden. Das Kind macht vielfältigste Raumerfahrungen mit dem ganzen Körper, indem es sich in Höhlen verkriecht, in Schubladen und Schränke krabbelt und jede Möglichkeit zum Klettern nutzt.

5. Kategorisieren

Das Kind lernt, dass Gegenstände nach bestimmten Eigenschaften sortiert und gruppiert werden. Es zeigt im Alter von 18 – 24 Monaten einen gewissen Ordnungssinn. Sie unterscheiden nach Formen und Farben obwohl sie diese noch nicht benennen können. Es entwickelt Grundfunktionen des logischen Denkens.

6. Nachahmendes Spiel / Spiel mit Symbolcharakter

Über das Nachahmen lernt das Kind den funktionellen Gebrauch von Gegenständen sowie soziale Handlungen. Es macht gerne das, was die Großen tun, z.B. Kochen, telefonieren, Tisch abwischen, Auto fahren, in den Urlaub fahren. Es überträgt die Handlungen auf andere Personen. Sein Spiel bekommt jetzt Symbolcharakter, es tut so als ob (Als-ob-Spiel).  Im zweiten Lebensjahr trägt und schiebt das Kind besonders gerne Dinge von einem Ort zum anderen. Es kann sich bücken und etwas aufheben, klettert viel, rutscht und kann den Ball aus dem Stand mit dem Fuß kicken und seine feinmotorischen Fähigkeiten ermöglichen es, Bausteine aufeinander zu legen.

Im dritten Lebensjahr entwickeln sich alle grob- und feinmotorischen Fähigkeiten weiter. Die Bewegungen werden den Erfordernissen angepasst. Das Kind fährt mit dem Roller, Laufrad, Dreirad…. Das alternierende Treppensteigen entwickelt sich. Auch das Symbolspiel entwickelt sich jetzt. Die Kinder ahmen Tätigkeiten nach und schlüpfen in die entsprechende Rolle. Indem das Kind seine Erfahrungen und Erlebnisse nachspielt, macht es sie für sich begreifbar. Es gibt Gegenständen eine Bedeutung. Ein Karton wird zu einem Bett, ein Klotz zu einem Auto. Das Kind ist nun nicht mehr darauf angewiesen, die konkreten Gegenstände zu benutzen. Das Symbolspiel ist die Grundlage für das Rollenspiel.

7. Spiel mit Versuch und Irrtum

Welcher Deckel passt auf welchen Topf? Welche Form in diese Öffnung? Das Kind hat Spaß daran, selbst die Lösung zu finden!

 

Als geeignetes Spielmaterial für die Krippenkinder präsentierte uns Frau Fuhry:

 „Schatzkörbe“ für die Kleinsten, die mit den unterschiedlichsten (Alltags-)Gegenständen zum Entdecken mit allen Sinnen einladen., z.B. Haushaltsgegenstände wie Bürsten, Schwämme, verschiedene Gefäße zum Ein- und Umfüllen, Gießkannen, Sprühflaschen, große Gefäße wie Eimer, Wäschekörbe

Sie verdeutlichte auch unsere Auffassung, dass der Alltag das Besondere in der Krippe ist!

Mit großem Eifer beteiligen sich die Jungen und Mädchen bei allen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie beispielsweise Tisch decken, Tische abwischen, Spülmaschine einräumen, Lätzchen zusammenlegen, Boden kehren, Einkaufen, Geschirr spülen, Puppenkleider waschen und aufhängen. Sie telefonieren, hantieren mit Taschen und Geldbörsen und räumen Schränke, Schubladen, Kisten ein und aus.

Als Spielmaterial für die älteren Krippenkinder eignet sich:

verschiedenste Alltagsmaterialien/ Haushaltsgegenstände wie Bürsten, Schwämme, verschiedene Gefäße zum Ein- und Umfüllen, Gießkannen, Sprühflaschen, große Gefäße wie Eimer, Wäschekörbe, Pappkisten die sich verwandeln lassen, Holzbausteine, Duplo-Steine, figürliches Spielzeug, Naturmaterialien, Papprollen, Decken und Tücher, Knete, Puppenwagen, Schubkarre… (aus: „Kleine Kinder entdecken ihre Welt“ K. Fuhry)

Am Ende der Fortbildung sammelte jedes Gruppenteam seine „Schätze“, die es von dieser Fortbildung in ihre Gruppen mitnimmt.

 

Ein Dankeschön an die Kirchenstiftung St. Oswald für die Finanzierung und an Frau Hafner und Frau Schmid für die Organisation der Teamfortbildung, welche uns viel Spaß gemacht hat. Spaß ist bekanntlich ja die beste Voraussetzung für das Lernen.

 

PS: Möchten Sie, liebe Leser, uns mit sogenanntem wertlosem Material (Papprollen, Kaffeedosen, Cremedosen, Pappkartons usw. unterstützen, wenden Sie sich bitte das Krippenteam.